Car-Rig Fotografie -> Motion Shots

Was ist es? Wie bin ich dazu gekommen?

Bei der Car-Rig Fotografie handelt es sich um ein Vorgehen um Bilder von Autos zu fotografieren, die den Eindruck erwecken das Fahrzeug wäre während der Fahrt aufgenommen worden. Diese Art Bilder sind ab und an auf Werbeplakaten der großen Hersteller zu sehen oder in Zeitschriften abgedruckt. Um sich einen Eindruck der Ergebnisse zu machen ist (wie so oft) ein Blick in die Google Bildersuche hilfreich.

Ich persönlich bin über die Verbindung zweier Hobbys auf diese Art Bilder aufmerksamm geworden und fand im Internet einen Forum-Thread der mit sehr vielen Informationen gespickt, aber auch mehrer hundert Seiten lang ist. Aus diesen Informationen, Making-Of Bildern und etwas Spaß an der Bastelei ist letztendlich mein eigenes Car-Rig und die hier geziegten Bilder enstanden.
Last update in this section: 03-Jul-2014



Wie enstehen Car-Rig Bilder?

Es gibt mehrer Möglichkeiten die (Illusion von) Bewegung auf Fotos einzufangen. Im Grunde kann man es in zwei Kategorien einteilen: Durch EBV am Computer oder direkt bei der Aufnahme.

Durch elektronische Bildverarbeitung:

Ich muss zugeben zu die Variante kann ich sehr wenig beitragen. Ich habe es nur ansatzweise angetestet und mich recht schnell dagegen entschieden. Im Grunde geht es darum aus einem aufgenommen Bild alle Bildteile, mit ausnahme des Autos, so zu verwischen, dass der Eindruck einer Bewegung entsteht. Die kann durch verschieden Filter in den gänigen Bildbearbeitungsprogrammen geschehen oder wird durch zusätzliche Plugins wie z.b. "VirtualRig Studio" für "Adobe Photoshop" erleichtert.
Allerdings ist es den meisten so entstanden Bildern anzusehen das es sich nicht um echte Aufnahmen handelt. Wobei auch diese Technik natürlich Ihre Vorteile hat (Einfluss auf die Ausleuchtung des Fahrzeugs, im allgemeinen mehr Kontrolle über die Belichtung).

Direkt bei der Aufnahme:

Hierbei geht es darum den Effekt zu erziehelen, indem die Kamera möglichts genau mit dem gleichen Tempo wie das sich bewegenden Auto mitgeführt wird. Dies bewirkt, dass das Auto scharf bleibt, der Hintergrund jedoch, wie für diese Bilder typisch, verwischt. Ich selbst kenne drei Varianten dies umzusetzen:

Mitzieher:
Hiebei fährt das Fahrzeug möglichts im 90° Winkel am Fotografen vorbei, welcher die Kamera mit dem Fahrzeug mitbewegt. Dies erfordert jedoch einen geübten Fotogorafen und Fahrer! Der Vorteil dieser Methode ist, dass dies auf wenig befahrenen Straßen z.B. von einem paralellen Radweg aus geschehen kann. Jedoch ist die Perspektive meist mehr oder weniger auf die Seitenansicht beschränkt. Die Belichtungszeit hängt hauptsächlich von der gefahrene Geschwindigkeit ab. Je länger belichtet wird, umso deutlicher wird der Bewegungseffekt, jedoch auch umso höher die Anforderungen an den Fotografen. Diese Methode erfordert jedoch keine besondere Ausrüstung oder hohen Aufwand.

Car2Car:
Aus meiner Sicht die gefährlichste Methode! Hiebei befindet sich der Fotograf in einem fahrenden Fahrzeug aus dem herraus das zweite Fahrzeug fotografiert wird. Beide Fahrzeuge müssen hierbei möglichts gleichmäßig das Tempo halten. Es gilt sich vorher Gedanken zur Sicherung des Fotografen und seiner Ausrüstung zu machen! Eine Kamera die aus einem offenen Fenster fällt kostet Geld, eine Fotograf der aus einem offenen Kofferraum fällt u.U. das Leben! Zudem werden mindestens 2 Autos, 2 Fahrer, sowie eine Fotograf benötigt. Auch sind solche Aktionen nur auf abgesperrten Straßen möglich! Um die Perspektive zu variieren, ist es meist auch nötig das beide Fahrzuege versetzt zu einander fahren können. Denoch bleibt meist nur der Schuß aus Fensterhöhe des Fotografenfahrzeugs. Wo findet man nur eine mehrspurige abgesperrte Straße?! Auch hier richtet sich die Belichtungszeit primär nach dem gefahren Tempo. Zum Thema Geschwindigkeits mangelt es mir jedoch an Erfahrungswerten. Im internet wird immer wieder von +/- 50 km/h gesprochen...

Rig-Shots:

Hierrum geht es auf dieser Seite! Die 3. Variante....
Bei Rig-Shots wird versucht reprodzierbarere Ergebnisse zu erzielen, indem mehr technischer Aufwand (in Form von Spezialequipment -> das Car-Rig) betrieben wird. Dies ermöglicht es in in Ruhe den Bildausschnitt zu wählen und gefahrlos beliebig viele Bilder aus einer Kameraposition aufzunehmen. Auch wird bei dieser Methode mit realtiv geringen Geschwindigkeiten gearbeitet, meist werden die Fahrzeuge nur geschoben, was natürlich das Verletzungsrisiko minimiert.
Wie funktioniert es dennoch, den Eindruck von schneller Bewegung, zu erwecken? Der Schlüssel hierzu ist die Belichtungszeit! Ich belichte bei meinem Aufnahmen meist zwischen 1 und 3 Sekunden. Doch ich behaupte kein Fotograf kann eine Sekunde verwackelungsfrei und im gleichen Tempo wie das Fahrzeug die Kamera bewegen. Und genau hier kommt das Spezialequipment ins Spiel!
Bei einem Car-Rig (zumindest in meiner Variante) handelt es sich, vereinfacht gesagt, um ein Stange, welche mit einem Ende am Fahrzeug befestigt ist und an der andern Seite die Kamera montiert wird. Dies bewirkt, dass sich die Kamera immer mit der gleichen Geschwindigkeit wie das Fahrzeug bewegt.
Dennoch benötigt man auch hierfür eine abgesperrte Fahrbahn. Da man jedoch nicht viel mehr an Breite benötigt wie für das eigentliche Fahrzeug, kann auch mal eine geterter Feld- oder Waldweg genutzt werden (was sich viel leichter finden lässt wie eine gesperrte Bundesstraße oder Autobahn). Auch wird als absolutes Minimum nur ein Auto, der Fotograf und das Car-Rig benötigt.
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Das Car Rig

Das Car-Rig

ist das Herzstück dieser Art der Fotografie. Prinzipiell handelt es sich um einen Ausleger, welcher auf der einen Seite am Fahrzeug befestigt ist und auf der anderen Seite die Kamera trägt.
Es gibt die unterschiedlichsten Modelle, angefangen von low cost DIY Car Rigs, welche auch gerne mal aus mit Panzertape befestigten Stativen bestehen, bis hin zu unter dem Fahrzeug befestigten, aus Glas bestehenden Rigs welche Videokameras tragen können.

Ich selbst verwende auch einen Eigenbau, welcher jedoch speziell hierfür aus Materialien, welche recht leicht zu beschaffen sind, zusammengestellt wurde. Meine Variante ist denke ich eine sehr gute Mischung zwischen Stabilität und Kosten.

Mein Car-Rig besteht aus folgenden Komponenten:
  • 3x 1,5m Aluminium Rohr (Außendurchmesser: 50mm / Wandstärke: 3 mm)

  • 2x aus Aluminium gedrehte Verbindungsstücke

  • 3x Manfrotto Super Clamp (Artikelnummer: 035)

  • 2x Manfrotto Magic Arm mit Kameraschiene (Artikelnummer: 143A) (Anmerkung hierzu wird noch folgen)

  • 2x Manfrotto Saugfuß mit beweglicher Hülse (Artikelnummer: 241)

  • 2x Verbindungszapfen (z.B. Manfrotto 036L) (meine Empfehlung sind NICHT verdrehsichere Zapfen)
Damit lässt sich bereits ein gutes Car/Rig bauen! Um die Stabilität weiter zu erhöhen, verwende ich eine Abspannung, welche die Schwingungen weiter reduziert:
  • 1x Stahlseil (Durchmesser: 3mm) (auf einen geringen Dehnungsindex achten)

  • Rohrschelle mit M8 Gewinde (für den jeweiligen Rohrdurchmesser -> bei mir 50-55mm)

  • Gewindestab M8 (Länge: 30cm)

  • Spannschloß / Seilspanner M8 (Haken/Öse)
Dazu kommen noch einige Kleinteile: Schraube M8x60 (4x), Augenschraube M8x60 (2x), Flügelmutter M8 (6x), Mutter M8 (2x), Langmutter M8x30 (1x), Bügelklemme (4x)

Ihr seht, die einzigen etwas schwerer zu beschaffenden Komponenten sind die Alurohre und die Verbindungsstücke. Für beides kann aber ein motivierter Metallbauer weiterhelfen.
Diese Teile lassen sich jedoch auch durch Komponenten aus dem Bühnenbau ersetzen, was jedoch etwa kostspieliger ist. Dort ist das passende Stichwort nach dem Ihr suchen müsst "1-Punkt Traverse".

Gegebenenfalls werde ich später mal hier an dieser Stelle einen detaillierteren Bauplan oder Skizze veröffentlichen.
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Die Location

Als Fotolocation für ein Car-Rig Shooting kann eigentlich jede Straße/Weg/ebene Fläche dienen, auf der Ihr ungestört 1-2 Stunden euch aufhalten könnt. Bitte behindert nie andere Verkehrsteilnehmer!
Die Klassiker sind eigentlich Wald- und Feldwege, Industriegebiete am Wochenende, Parkhäuser, gesperrte Straßen. Sicherlich gibt es noch jede menge andere coole Plätze für diese Art der Fotografie.

Worauf achte ich bei der Locationauswahl?

Zu aller erst auf die Helligkeit! Ok, das ist meist mehr eine Frage der Shootinguhrzeit wie der Location, dennoch muss sie beachtet werden. Für die Bilder werden recht lange Belichtungszeiten von 1 - 3 Sekunden benötigt und auch mit Graufilter und geschlossener Blende ist irgendwann Schluss. Somit finden Outdoor-Shootings bei mir eigentlich immer in den Abendstunden statt. Die andere Möglichkeit ist es in dunkle Parkhäuser, Tiefgarargen oder Lagerhallen auszuweichen (was ich jedoch nicht gerne tue).

Das zweite Kriterium für mich ist der verfügbare Platz. Man benötigt meiner Meinung nach mindestens 10 Meter Rollstrecken für das Auto. Auch muss die Breite ausreichen um nicht Gefahr zu laufen mit dem Car-Rig gegen irgendwelche Hindernisse zu Stoßen.

Nun kommen wir zu den "Nice-to-have" Punkten: Ich finde alles interessant und für die Bildwirkung nützlich, was einen Bezug zur Straße herstellt und auch als solches zu erkennen ist: Leitplanken, Straßenmarkierungen, Verkehrsschilder, Leitpfosten...
Der Hintergrund kann auch gerne mal eine Rolle spielen. Prinzipiell gilt, alles was nahe am Fahrzeug ist verschwimmt mehr wie Objekt in einiger Entfernung.
Auch bevorzuge ich gerne Locations die etwas Gefälle aufweisen. Warum wird beim Ablauf erklärt.
Last update in this section: 03-Jul-2014


Der Ablauf

Es beginnt immer mit dem Eintreffen an der Fotolocation. Dort wird dann noch einmal der beste Hintergrund und die besten Perspektiven für das Fahrzeug gesucht.
Nachdem das Fahrzeug in Position gebracht ist, wird das Car-Rig so am Auto montiert, dass man der Wunschperspektive möglichst nahe kommt.
Die Einrichtung der Kamera besteht neben der Perspektive auch daraus die notwendige Belichtungszeit zu gewährleisten. Ich bewege mich normal im Bereich von 2 Sekunden +/- 1. Hier kommt gerne mal ein Graufilter zum Einsatz. Auslösen tue ich die Kamera mit einem Funk-Fernauslösers.

Ist nun die Technik bereit, beginnt der Teil mit der Bewegung!
Mansche werden sich wundern, aber ich versuche immer die Fahrzeuge lediglich rollen zu lassen! Und das im Schritttempo!
Hier kommt mir ein Gefälle immer sehr entgegen, da dies ein Anschieben unnötig macht. Die Geschwindigkeit kann dabei recht gut mit der Handbremse (solange diese nicht elektrisch gesteuert ist) geregelt werden.
Warum nicht Fahren? Ganz einfach aus dem Grund, das ein laufender Motor Vibrationen erzeugt, welche wiederum das Rig unnötig in Schwingung versetzen.
Während das Auto rollt, nehme ich mehrere Bilder auf, um im Anschluss etwas Auswahl zu Verfügung zu haben.
Nun werden die gewünschten Bilderpositionen abgearbeitet und anschließend zusammengepackt.
Meine Shootings dauern in der Regel 1 bis 2 Stunden.
Last update in this section: 03-Jul-2014


Das Car-Rig "demontieren"

Nun folgt die Nachbearbeitung der Bilder: Dieser Teil nimmt meist mehr Zeit in Anspruch wie das eigentliche Shooting.
Neben den regulären Bildoptimierungen an Weißabgleich, Belichtung und Co, wird nun auch das Car-Rig bzw. die Teile davon die im Bild und in den Lack-Spiegelungen zu sehen sind entfernt.
Ja nach Bild kann es auch mal vorkommen, dass der Himmel oder Teile des Hintergrunds komplett ersetzt werden. Der letzte Detailschliff sind dann meist Kleinigkeiten wie, Scheinwerfer, Lichtkegel usw. die je nach Bild die Wirkung noch einmal verbessern können.
Last update in this section: 03-Jul-2014


Schäden?

Eins vorweg: Bei meinen Shootings ist bisher nichts kaputt gegangen. *auf-Holz-klopf*
Das Schlimmste was bisher passiert ist, waren Abdrücke der Saugnäpfe im frisch gewachsten Lack. Diese sind aber meist schnell (meist noch vor Ort), jedoch spätestens nach der nächsten Politur verschwunden.

Dennoch ist das ganze nicht 100%gefahrlos. So finden sich im Internet Berichte von anderen Fotografen, die mit dieser Technik arbeiteten, über gerissene Frontscheiben oder Dellen im Blech. Meist war aber ein Vorschaden (Steinschlag) oder unvorsichtiges Arbeiten (Saugnäpfe falsch montiert - z.B. mittig auf einer Blechfläche ohne Verstärkung oder zu dich bei einander -> zu große Hebelwirkung) die Ursache.
Einen dubiosen Bericht habe ich auch gelesen, bei dem an einem Sportwagen (Modell unbekannt) das Metallklappverdeck nach einem Rig-Shoot nicht mehr dicht geschossen haben soll.
Auch ist mir bei allen diesen Fällen nicht bekannt mit welchen Geschwindigkeiten gearbeitet wurde.
Last update in this section: 03-Jul-2014


Wer macht Car-Rig Bilder?

Wenn du Interesse an solchen Bildern von deinem Auto hast und hier aus der Nähe von Kaiserslautern kommst, kannst du dich gerne mit mir in Verbindung setzen!
Solltest du weiter weg wohnen kenne ich auch noch ein paar andere Car-Rig Fotografen, welche über ganz Deutschland verteilt sind.

Wenn du selbst dir ein Car Rig bauen möchtest und den Aufwand und die Kosten nicht scheust, hoffe ich dir hier einen Einblick gegeben zu haben, wie man ein solches Vorhaben umsetzen kann!
Last update in this section: 27-Jul-2014


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